Es ist nicht Lupus. – Es ist House-Lite

Wer hätte gedacht, dass solch ein  schmerzmittelabhängiger exzentrischer Misanthrop mit einem Format das an einen kaputten Plattenspieler erinnert so erfolgreich sein kann? Dr. House ist die momentan erfolgreichste Krankenhausserie im deutschen Fernsehen. Aber woher kommt dieser Erfolg? Denn an und für sich ist das Format Dr. House schon nach der dritten oder spätestens vierten Folge durchschaubar. Jede Folge beginnt mit dem Patienten. Er zeigt ihm bei seiner Arbeit oder sonstigen Betätigung und genau dabei wird er krank. Schnitt. Jetzt sind wir im Princeton Teaching Hospital, ein fiktives Lehrkrankenhaus,  wo House praktiziert.  Und jetzt kommt schon die erste Abwechslung: Die erste mögliche Version House und sein Team sitzen in seinem Büro und diskutieren den Fall. Die zweite sehr viel abwechslungsreichere ist, dass Cuddy, welche ihres Zeichens Chef und Beschützer House ist, oder Wilson, wohl der einzige richtige Freund von House, ihn den Fall vorstellen und ihn bitten sich diesen anzunehmen.

So das war auch die einzige Abwechslung. Was jetzt folgt ist immer gleich. House und sein Team haben Ideen welche Krankheit es ist, sehr Hip ist dabei Lupus, eine Autoimmunkrankheit, behandeln, liegen Falsch und der Patient stirbt fast. Am Ende hat House die geniale Idee und rettet in 90% der Fälle den Patienten doch noch. Langweilig oder? Klingt nach GZSZ oder Lindenstraße für den Hypochonder von nebenan. Aber warum „rockt“ House dennoch?Wie kann Hugh Laurie dennoch diese flaue, monotone, schlichte Story retten? Ganz einfach: Es geht gar nicht um die Story oder den Patienten.  Dr. House projiziert nämlich sich und seine Allüren direkt auf die Serie.  Er geht nicht den Umweg über die Story. Es gibt keine schlechten Nebenplots die in Romanzen gipfeln wie bei Emergency Room oder ständigen Bombendrohungen oder Überfällen  um wenigstens etwas Spannung aufrechtzuerhalten um die sonst sehr schlichten und stereotypischen Charakteren zu vertuschen und zu überblenden, weil die Drehbuchautoren es nicht schaffen den Charakteren wenigstens etwas reizvolles zu geben oder sie zu entwickeln. House jedoch steht im Mittelpunkt des Geschehens, die Story hilft nur dabei seinen Charakter zu entfalten und ist somit ein Stück zur Nebensache geworden. Die Spannung besteht darin wie scheußlich House noch werden kann und welche Abgründe sein Charakter noch enthält. Denn House hasst die Patienten Sie sind ihm egal, er beleidigt wahllos Leute, kränkt sie und zeigt jedem seine Abneigung. Er hält sich an keine Regeln, ist Vicodin abhängig, übertritt moralische Grundwerte und sagt immer die Wahrheit. Kurz: Ein richtiges Scheusal.

Normal würden wir ein großen Bogen um ihn machen, aber wir kriegen nicht genug von ihm. Warum? Er ist wie er ist und trotzdem ist er Erfolgreich und hat Gönner. House hat das oder verkörpert das wovon wir gerne etwas mehr hätten: Rückgrat, Intelligenz, Erfolg  und Schlagfertigkeit. Wenn wir uns in der Serie mit ihm Identifizieren schaden wir niemanden haben aber dennoch Anteil an seinem Leben. So können wir alle ein wenig House spielen ohne die negativen Auswirkungen erleben zu müssen. Es juckte einem bestimmt schon mal im Broca-Zentrum einfach jemanden ins Gesicht zu sagen was man über ihn denkt.

In unserem Leben ist dies aber unmöglich wenn man trotzdem erfolgreich sein will. White-Lies sind notwendig um die Gefühle anderer zu achten und nicht zu verletzen und sie sind somit auch ein Weg zum Erfolg. House schert sich ein Dreck um Gefühle und sagt das was er denkt. Er schafft und macht das was wir nicht können. Zudem  fasziniert es  uns wie House mit seinem eigenen Leben spielt und zum Teil auch mit dem Leben seiner Patienten und Mitmenschen. Es fasziniert das Paradoxon das Leben der Menschen zu retten die er so sehr hasst. Genauso zu sein wie House ist aber auch nicht erstrebenswert und genau darum ist die Serie so angesagt. So können wir alle ein wenig House-Lite sein.

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